
Takedao Abandoned Railway Hike: Wandern auf Gleisen
Nur 30 Minuten von Osaka entfernt liegt eine verlassene Bahnstrecke. Heute verläuft ein Wanderweg auf ihr – ein besonderer Abstecher in die Natur von Osaka aus.
Ganz im Norden von Tohoku liegt Shimokita-hantō: Eine axtförmige Halbinsel, so abgelegen und unerschlossen, dass sie wie das Ende der Welt wirkt. Dort findet man einen der drei heiligsten Orte Japans – den Berg Osorezan, wörtlich übersetzt „Berg der Angst“. Auf ihm steht Bodaiji – ein Tempel, in dem du die Nacht verbringen und morgens den Ritualen der Mönche beiwohnen kannst.
Osorezan ist ein Berg im Norden Japans, dessen Name wörtlich übersetzt „Berg der Angst“ bedeutet. Mit seinen acht Gipfeln zählt Osorezan zu den drei heiligsten Bergen Japans. Der Tempel Bodaiji auf dem Gipfel des Berges ist ein beliebtes Ziel für Pilger. Die einzigartige Geografie von Osorezan mit seinem tiefblauen Gipfelsee und zerklüfteten Felslandschaften, aus denen Schwefeldämpfe emporsteigen, sorgt dafür, dass Osorezan mit buddhistischen Vorstellungen der Hölle assoziiert wird. Der Bodaiji-Tempel ist von November bis April für Besucher geschlossen.
Osorezan liegt auf der Shimokita-Halbinsel, einem axtförmigen Auswuchs am äußersten nördlichen Ende von Honshu, der größten der vier japanischen Inseln. Ansonsten gibt es auf der Shimokita-Halbinsel wenig – sie ist kaum erschlossen und neben Osorezan für die Felsformationen an ihrer Westküste und die wilde Natur bekannt. Auch Bären sind dort in freier Wildbahn anzutreffen.
Die Anreise nach Osorezan ist nicht einfach. Der heilige Berg liegt fernab aller klassischen Japan-Reiserouten. Die nächste bekannte Großstadt ist Aomori in der Tohoku-Region. Sie liegt etwa zwei Fahrtstunden von Osorezan entfernt und kann als deine Ausgangsbasis zum Berg der Angst dienen. Von Aomori aus kannst du entweder per Auto oder Bahn Richtung Osorezan reisen. Wichtig: Mit der Bahn kommst du nur bis Mutsu, von dort verkehren regelmäßig, aber selten Busse nach Osorezan (5x/Tag).
Wenn du im Bodaiji übernachtest, besuche das dazugehörige Onsen am Rande des Geländes. Das Wasser ist extrem schwefelhaltig – und extrem heiß. Wie lange hältst du durch?
Buddhistische Hölle. Berg der Angst. Portal zur Unterwelt. Wenn du an einen Ort denkst, der so bezeichnet wird, wie stellst du ihn dir vor?
Dieser Ort existiert wirklich. Es ist der Berg Osorezan auf der Shimokita-Halbinsel, im äußersten Norden von Tohoku. Osorezan ist geprägt von starker vulkanischer Aktivität: Zerklüftete Felslandschaften, mit seltsam bunten Flechten bedeckt, umgeben einen großen, tiefblauen See mit Sandstränden, in dem du aber nicht baden kannst – denn das Wasser ist aufgrund seines hohen Schwefelgehalts giftig. Der Schwefel prägt Osorezan. Ein permanenter Schwefelgeruch hängt in der Luft, aus Felsspalten steigen Dämpfe auf und du kannst sogar in einem stark schwefelhaltigen Onsen den Abend verbringen, wenn du das heiße Wasser aushältst.
Doch Osorezan ist nicht nur landschaftlich einmalig, er ist auch spirituell von großer Bedeutung. Zusammen mit dem Bodaiji-Tempel, der auf dessen Spitze liegt, ist Osorezan einer der drei heiligten Orte Japans. Die anderen zwei sind Koyasan nahe Osaka und Hieizan bei Kyoto. Osorezan kommt in diesem Trio die Rolle der buddhistischen Hölle inne, da seine Geografie viele Assoziationen mit dem Konzept der Hölle im Buddhismus weckt – unter anderem seine acht Berggipfel, der tiefblaue See mit seinen Sandstränden sowie der Fluss, der in diesen fließt und ähnlich wie der Styx in der griechischen Mythologie von den Seelen der Verstorbenen auf dem Weg ins Jenseits überquert werden muss.
Für die Gläubigen hat Osorezan eine wichtige Funktion: Er gilt als einer der Orte, an dem sie ihren verstorbenen Angehörigen am nächsten sind. Doch die Querung des Flusses ins Jenseits ist für die Seelen nicht ohne Gefahren: Der Erzählung nach lauern am Flussufer böse Geister, die mit Keulen bewaffnet sind und die Seelen von ihrem Ziel abbringen wollen. Hier kommt der Bodhisattva Jizo ins Spiel, der im Bodaiji-Tempel verehrt wird. Er hilft den Seelen der Verstorbenen, den Fluss zu überqueren und wacht insbesondere über die Schutzlosesten unter ihnen – die Seelen von Kindern. Deshalb ist Osorezan ein besonderer Pilgerort von Eltern, deren Kinder frühzeitig verstarben.
Das alles macht Osorezan zu einem bedeutungsschweren Ort – aber auch zu einem Ort, an dem ein seltsamer Frieden herrscht, der genauso wie der allgegenwärtige Schwefeldampf die Atmosphäre auf dem Berggipfel durchzieht. Osorezan ist ein Ort, den viele Menschen aus traurigen Anlässen aufsuchen, aber kein trauriger Ort. Die fremdartige Landschaft lässt den Berg manchmal wirklich wie ein Tor zur Unterwelt erscheinen und besitzt gleichzeitig eine äußerst ungewöhnliche Schönheit, die man intensiv wahrnimmt.
Osorezan ist also ohne Zweifel ein Ort des Übergangs und der Gegensätze – und der extremste der drei heiligsten Orte Japans. Wenn dich deine Reise in den hohen Norden von Tohoku führt, besuche Osorezan und lasse dich selbst von seiner einmaligen Atmosphäre umhüllen. Sei respektvoll gegenüber dem Tempel und den Pilgern, verbringe eine Nacht vor Ort und nimm morgens an einer Zeremonie der Mönche teil. Es wird eine Erfahrung sein, an die du dich lange erinnern wirst!
Ein Indiz dafür, dass Osorezan wirklich abgelegen ist: Die Anreise mit dem Auto ist am einfachsten. Wirklich. Die Öffis sind ausnahmsweise mal unpraktischer – eine Seltenheit in Japan. Das bedeutet auch, dass du bestenfalls eine japanische Übersetzung deines deutschen Führerscheins brauchst. Sieh dir den Guide am Ende dieses Textblocks an, um zu erfahren, wie einfach das geht.
Am einfachsten und günstigsten gelangst du nach Osorezan, wenn du möglichst weit mit dem Zug in seine Richtung fährst und in den Mietwagen umsteigst, wenn es wirklich nötig ist. Aomori ist die größte Stadt in der Nähe mit dem größten Mietwagenangebot. Von dort sind es zwei Stunden bis Osorezan. Mein Geheimtipp: Fahre ab Aomori noch ein bisschen weiter mit dem Zug – bis Noheji Station. Dort gibt es eine Toyota Rent-A-Car-Station, von der ich meinen Mietwagen hatte und sehr zufrieden war. Und von Noheji sind es nur 80 Minuten bis Osorezan!
Wenn du die volle Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen willst, kannst du mit dem Zug bis zum Bahnhof JR Shimokitaeki in Mutsu fahren, dem nächstgelegenen Ort bei Osorezan. Von dort fahren pro Tag fünf Busse zwischen dem Bahnhof und Osorezan. Ganz wichtig: Der Bodaiji-Tempel ist zwischen November und April geschlossen. In dieser Zeit fahren dementsprechend auch keine Busse nach Osorezan und ein Besuch des Tempelgeländes ist nicht möglich.
Am intensivsten erlebst du Osorezan, wenn du eine Nacht dort verbringst. Der Bodaiji-Tempel bietet Unterkünfte für Besucher an: Privatzimmer für 12.000 Yen und ein Bett im Schlafsaal für 10.000 Yen, inklusive Abendessen und Frühstück, bei denen alle Teilnehmer eingeladen werden, gemeinsam buddhistische Verse zu rezitieren. Ich habe im Privatzimmer übernachtet und war begeistert. Wenn du am Ritual der Mönche teilnehmen willst, stell dir einen Wecker, da es früh morgens beginnt. Du musst deinen Aufenthalt telefonisch reservieren. Mein Gesprächspartner sprach aber gut Englisch.
„Herbstwind weht, hinter mir liegt auch der Osorezan."
– Kobayashi Issa
Osorezan liegt ganz im Norden von Tohoku. Weiter nördlich liegt nur noch Hokkaido! Von Tokio sind es über 700 Kilometer Luftlinie.
Wenn dich deine Reise in die Stadt Aomori führt, ist Osorezan nicht allzu weit entfernt. In der gleichnamigen Provinz Aomori gibt es neben Osorezan einige weitere interessante Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel Hirosaki und den Towada-See. Wenn du dein Basislager in der Stadt Aomori aufschlägst und dort mehrere Tage übernachtest, kannst du locker einen Tagesausflug nach Osorezan einplanen.
Am einfachsten geht das mit dem Mietwagen, da du zeitlich maximal flexibel bist. Die Fahrt nach Osorezan dauert zwei Stunden. Wenn du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reist, sind es ebenfalls zwei Stunden bis zur Shimokita Station in Mutsu und von dort aus nochmal 45 Minuten mit dem Bus, bis du auf Osorezan ankommst. Stand Dezember 2025 ist die Website des zuständigen Busunternehmens leider offline, weshalb ich dir keinen Link zum Busfahrplan geben kann. Bei fünf Busverbindungen am Tag zwischen Mutsu und Osorezan sollte der Tagesausflug allerdings gut umsetzbar sein.
Ich empfehle dir unbedingt eine Übernachtung im Bodaiji auf dem Gipfel des Osorezan – das hat die Erfahrung für mich wirklich besonders gemacht. Die Anreise unterscheidet sich nicht wirklich von Option 1, nur dass du zeitlich flexibler bist, da du ja die ganze Nacht auf Osorezan verbringst. Deshalb macht in diesem Szenario auch eine Anreise von weiter weg Sinn.
Ich habe es so gemacht: Den Tag und die Nacht vor meiner Anreise verbrachte ich in Hirosaki, wo ich mir das berühmte Schloss Hirosaki ansah. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Zug über Aomori bis nach Noheji Station, holte mir dort bei Toyota Rent-A-Car meinen Mietwagen ab und fuhr von Noheji nach Osorezan. Die Straße dorthin ist allein schon eine Erfahrung wert – du fährst den Griff der axtförmigen Shimokita-Halbinsel hoch, stets mit Blick auf das windgepeitschte Meer zu deiner Linken, an Bären-Warnschildern und kleinen Ortschaften vorbei.
Ich kam nachmittags in Osorezan an, checkte in mein Zimmer ein und nahm mir dann Zeit, um mir das Tempelgelände, die schweflige Felslandschaft und den Gipfelsee anzusehen. Nach dem Abendessen (ich war einer von nur drei nicht-japanischen Gästen) verließ ich mein Zimmer noch einmal, um ins Onsen zu gehen, das hinter dem Hauptgebäude in einer kleinen Hütte beherbergt ist. Der Weg zwischen Hauptgebäude und Onsen ist stockdunkel, nimm eine Lichtquelle mit!
Nach einer kurzen Zeit im extrem heißen, schwefligen Onsen-Wasser (trotzdem super!) war ich schnell wieder im Zimmer, damit ich am nächsten Morgen für die Teilnahme am Ritual früh aus dem Bett kommen würde. Das klappte auch – und die Zeremonie war ein wirklich besonders Erlebnis, auf das das Frühstück folgte. Etwas später am Vormittag fuhr ich zurück nach Noheji, gab den Mietwagen zurück und fuhr mit dem Zug weiter nach Hachinohe, wo ich meinen nächsten Mietwagen abholte, um nach Towada zu gelangen.

Nur 30 Minuten von Osaka entfernt liegt eine verlassene Bahnstrecke. Heute verläuft ein Wanderweg auf ihr – ein besonderer Abstecher in die Natur von Osaka aus.

Im entlegenen Iya Valley wurden Flüsse traditionell mit Brücken aus Lianen überwunden. Heute sind nur noch drei dieser Brücken übrig – Kazurabashi ist die bekannteste.

Mount Tsurugi ist der höchste Berg im Iya Valley auf Shikoku. Vom Gipfel hast du einen großartigen Panoramablick auf das Tal – doch bereits der Weg nach oben lohnt sich.

Im Iya Valley auf Shikoku liegt ein Dorf, das in ganz Japan einmalig ist: Nagoro Village. Es ist von hunderten Vogelscheuchen bevölkert. Entdecke es selbst – wenn du dich traust.
Hi, ich bin Fabian und ich reise gerne. WOW! Überraschend, oder? Außerdem bin ich der Mann hinter Nihonestly, selbstständiger Marketingberater, Teilzeit-DJ und fotografiere gerne, aber nicht immer gut. Japan war für mich Liebe auf den zweiten Blick, dafür dann aber richtig. Auf Nihonestly teile ich persönliche Erfahrungen und Tipps aus meinen Japanreisen. Der Fokus meines Blogs liegt auf den weniger bereisten Gegenden Japans. Für diese weniger bekannten Seiten und Geheimtipps Japans will ich dich begeistern, damit du sie bei deiner nächsten Japanreise vielleicht auch besuchst!
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